Bischof Huber begrüßt Stuttgarter Kopftuch-Verbot

Berliner Entscheidung «völliger Irrweg»
Köln (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD), Wolfgang Huber, hat das in Baden-Württemberg beschlossene Verbot des
Kopftuchs für muslimische Lehrerinnen begrüßt. Zugleich kritisierte der
Bischof am Freitag im Deutschlandfunk das in Berlin geplante Verbot
jeglicher religiöser Symbole im öffentlichen Dienst als «vollständigen
Irrweg».

«Das Kopftuch wäre ohne jedes Problem, wenn es lediglich in einer
vergleichbar zurückhaltenden Weise wie ein kleines Kreuz eine
Religionszugehörigkeit symbolisierte», sagte der Berliner Bischof. Es habe
aber eine politische Bedeutung, «die wir nicht akzeptieren können,
insbesondere wegen seines Spannungsverhältnisses zur Gleichberechtigung von
Mann und Frau».

Das Kopftuch sei zum Kampfinstrument gemacht worden durch diejenigen, «die
diese Fragen durch alle Instanzen unserer Rechtsprechung gepeitscht haben»,
sagte Huber. Bei «vernünftigem Umgang» hätte das Beamtenrecht völlig zur
Regelung ausgereicht. Der Streit um das Kopftuch war durch die muslimische
Lehrerin Fereshta Ludin in Baden-Württemberg ausgelöst worden, die vor
Gericht durchsetzen wollte, dass sie mit Kopftuch unterrichten darf.

Zum Beschluss der rot-roten Koalition in Berlin, zur Wahrung der
weltanschaulichen Neutralität des Staates alle religiösen Symbole aus dem
öffentlichen Dienst zu verbannen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende: «Es ist
eine schreckliche Verwechslung, die sich da abspielt.» Die staatliche
Neutralität sei dazu da, die Religionsfreiheit zu fördern. Hier werde sie
aber dazu eingesetzt, «dass sie Religionsfreiheit behindert».

Der EKD-Ratsvorsitzende kritisierte, dass mit dem Berliner Beschluss der
Anschein erweckt werde, als könnten Schule und andere öffentliche Räume als
religionsfreie Räume angesehen werden. «Das verbindet sich mit der fatalen
Botschaft, dass diese Koalition Religion als Privatsache ansieht», fügte
Huber hinzu. Dies sei jedoch «meilenweit entfernt vom Geist des
Verhältnisses von Staat und Religion», wie er in Deutschland herrsche.

02. April 2004

http://www.ekd.de/newsfenster/34627_news_2004_04_02_1_rv_dlf_kopftuch.html