Bischöfin
Käßmann gegen EU-Beitritt der Türkei
Hannover (dpa) - Die hannoversche
Bischöfin Margot Käßmann hat sich klar gegen einen Beitritt der Türkei in die
Europäische Union (EU) ausgesprochen. «Die Handelnden in Brüssel verkennen, wie
sehr durch die rasante Erweiterung der EU die Identifikation der Menschen
wackelt», sagte die Theologin in einem dpa-Gespräch.
Sie könne nicht erkennen, was vor
allem die Türkei als Beitrittskandidaten auszeichne. «Ich sehe die Fortschritte
in der Türkei, aber die Frage ist, wo sind die Grenzen Europas und warum können
dann nicht auch Syrien, Israel, der Libanon oder Russland Beitrittskandidaten
werden», meinte die Bischöfin der mit 3,2 Millionen Mitgliedern größten
evangelischen Landeskirche in Deutschland. Nach zähen Verhandlungen hatte die
EU kürzlich Gespräche mit der Türkei über eine Vollmitgliedschaft begonnen.
Käßmann sagte weiter, bevor die EU
ständig erweitert werde, müsse erst an «der inneren Stabilität» gearbeitet
werden. In der jetzigen EU müsse sich zudem die soziale Wirklichkeit erst noch
angleichen. «Ich kann auch nicht verstehen, warum die Handelnden in Brüssel,
die Botschaften aus Frankreich und den Niederlanden nicht ernster nehmen»,
sagte die Bischöfin. Die Bevölkerung in den beiden Ländern hatte bei einem
Referendum die EU-Verfassung abgelehnt. «Wenn man in Deutschland ein Referendum
durchgeführt hätte, bin ich überzeugt, dass es auch keine Mehrheit für die
EU-Verfassung gegeben hätte.»
«Es braucht ein Gefühl von
Zugehörigkeit zu einer nicht nur wirtschaftlich und politisch, sondern auch
kulturell, sozial und religiös geprägten Gemeinschaft. Und das
Zugehörigkeitsgefühl braucht Grenzen.» Außerdem gebe es in der Türkei Defizite
etwa bei den Frauen- und Menschenrechten sowie der Religionsfreiheit. Zunächst
müsse klar sein, ob islamisch geprägte Länder diese demokratischen Grundrechte
zugestehen wollten.
15. Oktober 2005
Quelle: http://de.news.yahoo.com/051015/3/4q5zp.html