Fulda/Bonn - Zum
Abschluss ihrer Herbstvollversammlung in Fulda richteten sie gestern
an die
Repräsentanten des Islam in Deutschland die Bitte, in ihren Herkunftsländern
"nachdrücklich"
für das Recht auf Religionsfreiheit "ohne Abstriche" einzutreten. Ein
zentrales Thema des
angestrebten Dialogs müsse das "rechte Verständnis der Freiheit"
sein. Die Bischöfe
definierten die Religionsfreiheit als "Herzstück aller menschlichen
Freiheit".
Der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann (70),
verlangte von den
Moslems eine Absage an Gewalt. Die christlichen Kirchen kennten
aus ihrer Geschichte
die Versuchung zur Gewalt, der auch sie nicht immer widerstanden
hätten. Der
angestrebte Dialog müsse aber auf allen Seiten der "Reinigung des
Gedächtnisses"
dienen.
Der Kardinal dankte
Papst Benedikt XVI., dass er keinen Augenblick gezögert
habe, den Sinn
seiner - von Moslems kritisierten - Regensburger Rede klarzustellen
und allen
Missverständnissen den Boden zu entziehen. Jetzt erwarte man von den
moslemischen
Autoritäten überall auf der Welt, dass sie alles unterließen, was zu
einer neuerlichen
Verschärfung der Situation Anlass geben könnte: "Jede
Zweideutigkeit dient
dem Unfrieden und muss vermieden werden."
Der Regensburger
Bischof Gerhard Ludwig Müller nannte die von Moslems
kritisierte
Vorlesung des Papstes "eine Sternstunde der deutschen
Universitätskultur".
Lehmann wandte sich
entschieden gegen alles, was zu einer Einschränkung der
Meinungsfreiheit
führen könne: "Wir lassen uns nicht einschüchtern."
Auf die Kontroversen
um die abgesagte Mozart-Oper in Berlin und den Karikaturenstreit
ging er nicht direkt
ein. Lehmann sprach allerdings von einer "zerbrechlichen Balance"
zwischen dem Recht
der Kunst und der freien Meinungsäußerung auf der einen sowie
dem Recht auf
Achtung und Respekt vor der religiösen Überzeugung auf der anderen
Seite." Er
lehnte "eine Unkultur der Rücksichtslosigkeit" gegenüber der Religion
und
den Gläubigen ab,
die Gräben in der Gesellschaft aufwerfe und Unfrieden säe.
Priorität im
interreligiösen Dialog hat für die Deutsche Bischofskonferenz das Gespräch
mit dem Judentum.
Sie richtete ein Gremium unter Leitung des Aachener Bischofs
Heinrich Mussinghoff
(65) ein, das sich speziell dem theologischen Disput mit den
"älteren
Brüdern" widmen soll. Im Anschluss an die Frühjahrssitzung im März in
Berlin war es
erstmals zu einer offiziellen Begegnung zwischen Bischöfen und Rabbinern
gekommen. Daran soll
nun angeknüpft werden. Kardinal Lehmann hat in der
Vergangenheit
mehrmals darauf hingewiesen, dass das Christentum aus dem Judentum
hervorgegangen sei.
Deshalb könnten die Beziehungen zum Islam niemals die
Bedeutung erlangen
wie die zu den Juden. Über die Erfolgsaussichten eines Dialogs
mit den Muslimen,
der diesen Namen wirklich verdiene, äußerte sich Lehmann
äußerst skeptisch.
In einer großen Rede in Berlin empfahl er ein "sorgfältiges
Ausloten", um
nicht eines Tages "in Frustration zu verfallen". .................
30.9.06
Aus: http://www.welt.de/data/2006/09/30/1055019.html