Bischöfe sehen EU - Beitritt der Türkei als Problem
FREIBURG, 27. Januar (kna). Eine EU-Mitgliedschaft der Türkei hält der Generalsekretär der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, Noel Treanor, für problematisch. Die Schwierigkeit liege nicht in der Religionszugehörigkeit, die "sicher kein Kriterium für die Aufnahme eines Landes in die Europäische Union ist", sagt Treanor in einem am Montag in Freiburg vorab veröffentlichten Interview der Monatszeitschrift Herder Korrespondenz. Es gehe letztlich um das Verhältnis von Islam, Staat und Gesellschaft.
In den EU-Ländern herrsche verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit, "selbstverständlich auch für Muslime"; der Staat respektiere die Eigenständigkeit der Kirchen und Religionsgemeinschaften, so der Generalsekretär. Die grundsätzliche Trennung von Staat und Kirche schließe vielfältige Formen und Strukturen der Kooperation nicht aus, sondern vielmehr ein. In der Türkei herrsche ein anderes Modell. Ob sich daran in absehbarer Zeit Grundsätzliches ändere, sei ungewiss. Daran müsse sich aber die Europatauglichkeit der Türkei entscheiden.
Treanor hält einen "inklusiven Gottesbezug" in der geplanten EU-Verfassung für sinnvoll: "Also eine Formel, die Nichtgläubige nicht vereinnahmt, sondern in ihren Überzeugungen respektiert." Eine europäische Verfassung sollte nach Ansicht des Generalsekretärs aber auch spiegeln, dass nach wie vor die Mehrheit der Europäer an Gott glaube, wie Studien belegten.
28.1.03
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/international/?cnt=101673