Bischöfe Mixa, Müller, Meisner gegen Kinderkrippen

 

Familienministerin bekommt Schützenhilfe

Die kritischen Worte des Augsburger Bischofs Mixa zur aktuellen Familienpolitik

haben bei Politikern und Verbänden Empörung ausgelöst. Während einige Bischöfe

Beifall spendeten, rief der Mainzer Kardinal Lehmann dazu auf, vor der Realität nicht

die Augen zu verschließen.

 

Berlin - Als "unglaubliche Beleidigung" wies Ex-Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD)

Walter Mixas Kritik am Ausbau der Kinderbetreuung zurück. "Diese Äußerungen sind an

Borniertheit nicht mehr zu überbieten", sagte sie am Freitag der Frankfurter Rundschau. "Es

ist schon erstaunlich, wenn diejenigen, die von den Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von

Familie und Beruf am allerwenigsten Ahnung haben, sich in einer solchen Art und Weise äußern.

Es scheint ja beinahe, als ob Frau von der Leyen oder die SPD irgendwie die Zwangseinweisung

aller Babys in Kinderkrippen oder zu Tagesmüttern beschlossen hätten", verteidigte Schmidt

ihre Nachfolgerin Ursula von der Leyen (CDU).

Unterstützung erhielt Mixa vom Kölner Kardinal Joachim Meisner. Er teile nicht nur die

Kritik seines Amtsbruders, sondern auch dessen Wortwahl. "Um des Heils unseres Volkes

willen" sei es nötig, diese Sprache zu verwenden, sagte der Kardinal dem Kirchensender

Domradio. Krippenplätze seien nur für den Ausnahmefall nötig und ein Provisorium. Auch

der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigte seinen Amtsbruder. Die

Kirche habe das Recht, sich zu aktuellen Fragen zu äußern - ohne auf die gängige öffentliche

Meinung Rücksicht nehmen zu müssen. Bischof Mixa hatte am Donnerstag die Vorstellungen

der Ministerin zur Kinderbetreuung als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" bezeichnet

und davon gesprochen, dass die Frau zur "Gebärmaschine" degradiert werde.

 

"Der Bischof hat sich vergaloppiert"

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann,

spricht sich in einem Beitrag für die Kirchenzeitung Glaube und Leben für einen nüchternen

Blick auf die Realität aus: "Es ist zweifellos heute für viele Familien eine wichtige Hilfe, wenn

sie für die jüngsten Kinder mit einem Krippenplatz rechnen dürfen", schreibt Lehmann. "Unser

Land war und ist bisher, verglichen mit seinen ökonomischen Möglichkeiten und auch im

internationalen Vergleich, ziemlich Mittelmaß. Die gestaffelte Initiative hat darum mannigfaltige

Zustimmung erhalten, auch wo man es bisher nicht vermutete. Freilich gehören differenzierende

Zwischentöne dazu."

 

Lehmann forderte eine "echte Wahlfreiheit für die Eltern". Wer sich für die Erziehung der Kinder

zu Hause entscheide, müsse auch entsprechend unterstützt werden, "ohne dass diese Entscheidung

 indirekt abgewertet oder am Ende gar benachteiligt wird", so Lehmann

 

"Der Bischof hat sich vergaloppiert", sagte Georg Brunnhuber (CDU), Vorsitzender eines

Zusammenschlusses von 80 kirchennahen Unionsabgeordneten. Er schätze Mixa sehr, müsse

aber sagen, dass dieser sich in der Wortwahl vergriffen habe, sagte Brunnhuber der Agentur kna.

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) nannte die Kritik Mixas "

nicht nachvollziehbar". Die Vorsitzende der Frauenunion, Maria Böhmer (CDU) sagte, "Polemik

hilft niemandem".

Steffen Hebestreit

 

Frankfurter Rundschau, 24.2.07, S. 5

Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?sid=527328b0f0278fb2a28988f163be5993&em_cnt=1081809