Berliner Kirchenzeitung vor Einstellung
Kurz vor Jahresende erhielten die vier Mitarbeiter der «Berliner Kirchenzeitung» ihre Kündigung. Die zum Teil langjährigen Mitarbeiter haben auf diesem Weg erfahren, dass das Erzbistum Berlin seine Kirchenzeitung per 31. März einstellen wird. Hintergrund ist die katastrophale Finanzlage des Erzbistums. Die bisherigen Abonnenten werden die aus Augsburg kommende «Katholische SonntagsZeitung für Deutschland» mit einem Berliner Bistumsteil bekommen, wie Verleger Dirk Hermann Voß mitteilte. Eine entsprechende Vereinbarung habe das Erzbistum Berlin mit dem Verlag Christliche Familie GmbH in Köln abgeschlossen, der zu 100 Prozent der kirchlichen Mediengruppe Sankt-Ulrich-Verlag in Augsburg gehöre.
Die Pikanterie des Vorgangs: Auch die Augsburger «SonntagsZeitung» befindet sich zu 100 Prozent in Bistumsbesitz. Sie verfolgt einen deutlich konservativeren Kurs als die bisher der «Nord-Ostdeutschen Verlagsgesellschaft» (NOV) zugehörige Berliner Kirchenzeitung. Damit dürfte es, so wird von Beobachtern erwartet, zu erheblichen Spannungen zwischen dem Berliner Kardinal Sterzinsky und jenen Bischöfen kommen, deren Zeitungen im Rahmen der NOV erscheinen.
Auch im Bistum Berlin selbst gärt es bereits: Der Fernsehjournalist und Sprecher des erst im vergangenen Oktober eingerichteten Beirates, Joachim Jauer, bezeichnete in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin die Einstellung als «völlig falschen Schritt». Mit dem angestrebten Wechsel werde die Chance verspielt, den Katholiken der Hauptstadt eine eigene Stimme in der Medienlandschaft zu geben, so Jauer. Dies bedeute zugleich einen «Rückzug ins Unpolitische». Der Diözesanratsvorsitzende Hans-Jürgen van Schewick vertrat die Ansicht, mit der neuen Zeitung werde «die Katze im Sack eingekauft». Das Erzbistum selbst werde weder einen Einfluss auf dessen überregionalen Teil noch die Personalhoheit für den Bistumsteil haben.
Jauer sagte, der Beirat sei am Freitag geschlossen zurückgetreten, nachdem er weder über die Entscheidung des Verlags vorab informiert worden sei, noch mit seinen Vorschlägen zur Neuorientierung der Berliner Bistumszeitung Gehör gefunden habe. Jauer und van Schewick kritisierten zudem den Umgang mit den bisherigen Redaktionsmitgliedern, die unerwartet am Tag nach Weihnachten die Kündigung erhalten hätten. Jauer bezeichnete dies als «empörend». (nz)
Aus: Netzeitung, 6.1.2003
Quelle:
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=564&item=221577