Benedikt es reicht - Das Ende der Ära Busch war wenigstens absehbar.

 

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 03. Februar 2009. (Bild: Thomas Plaßmann)

 

Piusbruderschaft: „Wir wollen Rom bekehren“

"Wir werden unsere Positionen nicht ändern", sagte Bernard Tissier de Mallerais, einer der vier Lefebvre-Bischöfe, deren Exkommunikation rückgängig gemacht worden war

 

03. Februar 2009. Einer der vier Lefebvre-Bischöfe, deren Exkommunikation durch den Vatikan rückgängig gemacht worden war, Bernard Tissier de Mallerais, hat in der italienischen Zeitung „La Stampa“ die Rom-kritische Haltung der Piusbruderschaft bekräftigt. De Mallerais sagte, die Lefebvre-Bischöfe wollten „den Vatikan in ihre Richtung führen“. „Wir werden unsere Positionen nicht ändern, sondern Rom bekehren“, sagte er.

 

Der deutsche Kurienkardinal Kasper gestand unterdessen Versäumnisse des Vatikans bei der Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe ein. „Es sind sicher auch Fehler gemacht worden im Management der Kurie“, sagte Kasper am Montag im Radio Vatikan. „Man hat da vorher im Vatikan zu wenig miteinander gesprochen und nicht mehr abgecheckt, wo die Probleme auftreten können.“ Kasper verwies darauf, dass die vier Bischöfe der Piusbruderschaft, da weiterhin suspendiert, nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stünden. Die Aufhebung der Exkommunikation bedeute lediglich, dass ein Hindernis für ein Gespräch mit der Bewegung beseitigt worden sei.

 

Lehmann fordert Konsequenzen

Der Mainzer Kardinal Lehmann forderte derweil eine Entschuldigung „von hoher Stelle“ für die Rehabilitierung von Bischof Williamson, der die Vernichtung der europäischen Juden abgestritten hatte. Die Entscheidung des Papstes sei eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocausts, sagte Lehmann am Montag dem SWR-Fernsehen. Lehmann forderte Konsequenzen in der päpstlichen Kommission, die für die Rehabilitierung zuständig ist. „Es müssen auch Konsequenzen her für diejenigen, die dafür verantwortlich sind. “

 

Der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernhard Fellay, will in den nächsten Tagen Sanktionen gegen Williamson bekanntgeben. Fellay versicherte gegenüber der „Mitteldeutschen Zeitung“, Antisemitismus sei in der Piusbruderschaft nicht weit verbreitet: „Das sind Einzelne.„ Er bat um Entschuldigung, „vor allem diejenigen, die dadurch verletzt worden sind und ganz besonders das jüdische Volk“.

 

3. Febr. 2009 FAZ net

 

Quelle: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E70065EAE0EDF4027A180A62BA369D8E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell

 

 

Affäre um Holocaust-Leugner

Deutscher Bischof distanziert sich vom Papst

1. Februar 2009, 14:46 Uhr

Der Protest gegen die Rehabilitierung von vier traditionalistischen Bischöfen hat nun auch die Deutsche Bischofskonferenz erreicht. Als erster deutscher Bischof hat sich Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), öffentlich vom Beschluss des Papstes distanziert. Die Kirche würde an Glaubwürdigkeit verlieren.

In einer in Rottenburg veröffentlichten Erklärung warnte Bischof Fürst vor einem Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche: „Die Einheit der Kirche ist ein hohes Gut, dem zu dienen eine herausragende Aufgabe des Papstes und der Bischöfe ist. Aber diese Einheit ist nicht mit einer Leugnung grundlegender Aussagen des (Zweiten Vatikanischen) Konzils zu vereinbaren. Sonst wird sie um den Preis erkauft, dass viele Gläubige sich innerlich oder äußerlich abwenden.“

Die wieder in die Kirche aufgenommenen Bischöfe der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnen die Ergebnisse des Konzils (1962-1965) ab. Sie fordern eine Rückkehr zur lateinischen Messe und ein Ende des ökumenischen Dialogs mit anderen Konfessionen und Religionen. Demgegenüber betonte Fürst, Religionsfreiheit, Ökumene, Dialog mit dem Judentum und die Liturgiereform gehörten zum unverzichtbaren Erbe des Konzils.

„Theologie und Pastoral unserer Diözese, von mir als Bischof verantwortet, sind und bleiben ohne Wenn und Aber dem Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils und seinen zentralen Anliegen verpflichtet“, erklärte Fürst. „Der Wille zur wirklichen Einheit muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Wer immer sich zur Kirche bekennt, kann nicht wesentliche Grundanliegen des Konzils infrage stellen. Sonst käme es lediglich zu einer Scheineinheit.“

Scharf kritisierte Fürst die „völlig inakzeptablen Aussagen“ des Holocaust-Leugners Richard Williamson. Dieser war zusammen mit drei anderen exkommunizierten Traditionalisten-Bischöfen vor einer Woche von Papst Benedikt XVI. rehabilitiert worden: „Es belastet mich als Bischof und als Seelsorger, dass diese Vorgänge zur äußeren und inneren Entfremdung zahlreicher Gläubiger von der Kirche, zu einem Vertrauensverlust besonders der jüdischen Schwestern und Brüder gegenüber der Kirche sowie zu einer erheblichen Störung des christlich-jüdischen Dialogs geführt haben.“

1. Febr. 2009

Welt online

 

Quelle: http://www.welt.de/politik/article3128826/Deutscher-Bischof-distanziert-sich-vom-Papst.html

 

Umstrittener Weihbischof

Linzer Hardliner spaltet Kirchenvolk

Von Henry Steinbock, Linz | © ZEIT ONLINE  3.2.2009 - 12:05 Uhr

Die Ernennung eines erzkonservativen Pfarrers zum Weihbischof durch den Papst erregt die Gemüter. Dabei galt die Diözese von Linz lange Zeit als besonders fortschrittlich

 

Es ist still an diesem Montagvormittag im Linzer Mariendom, nur wenige Gläubige sitzen zur Andacht und zum Gebet in dem 20.000 Menschen fassenden Kirchengebäude. Eine ältere Frau zündet eine Kerze an, bekreuzigt sich und stößt einen Seufzer aus. Gründe dafür hätte sie wohl einige, seitdem bekannt wurde, dass Papst Benedikt XVI. den erzkonservativen Pfarrer Gerhard Maria Wagner am Samstag zum Weihbischof in Linz ernannt hat. Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Wut und vor allem massive Kritik aus Kirchenkreisen und Politik an dieser Entscheidung sind die Folgen.

Die Bestellung Wagners bedeutet einen erheblichen Rechtsruck. Denn wie soll das Linzer Kirchenvolk diese Berufung auch anders verstehen, hat Wagner doch in der Vergangenheit in Harry-Potter-Büchern "Satanismus am Werk" vermutet oder etwa gutgeheißen, dass Hurrikan Katrina 2005 alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs in New Orleans zerstörte. Von "keinem Gespür Roms" ist in Österreich die Rede, von einer "äußerst unsensiblen Vorgehensweise des Vatikans" oder gar von einer "Brüskierung" für das Linzer Kirchenvolk.

Selbst der christlich-soziale Landeshauptmann Josef Pühringer von der ÖVP reagierte auf die Bestellung Wagners mit Verwunderung. Er wolle sich zwar nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen, aber es habe den Anschein, dass in Rom ein Bild der Linzer Diözese herrsche, welches nicht der Realität entsprechen würde, sagte Pühringer. Die Vertreter der Harry-Potter-Generation, die Katholische Jugend (KJ), zeigten sich im Gespräch mit ZEIT ONLINE am Montagabend immerhin "abwartend". Auch wenn man über die Richtung, in die die Entscheidung ging, erstaunt war, werde man zunächst den Dialog suchen und Wagner zu Gesprächen einladen.

In der Diözese selbst befürchtet man mit der Bestellung Wagners einen großen Rückschritt. Habe man doch unter anderem 25 Jahre lang unter Bischof Maximilian Aichern, der auch "Sozialbischof" genannt wurde, für das Image einer fortschrittlichen Kirche gestanden. Aichern war zudem im Kirchenvolk äußert beliebt und respektiert. Die Offenheit gegenüber Laien und die Forderung, Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen, brachten ihm aber auch Kritik aus konservativen Kirchenkreisen. Und auch diesen rechten Flügel gibt es in Linz, wie zum Beispiel den ultrakonservativen Priesterkreis, dessen Mitglied Wagner ist und der in der Vergangenheit häufig Kritik an den "Zuständen in Oberösterreich" übte.

Aicherns Nachfolger ab 2005, der als konservativ geltende Diözesanbischof Ludwig Schwarz, dankte nach Wagners Ernennung Gott und freute sich darüber, dass er durch den Papst einen Weihbischof erhalten habe, der ihm eine echte Hilfe sein werde. Überrascht dürfte Schwarz von der Entscheidung seines obersten Hirten aber ebenso gewesen sein, habe Wagner doch angeblich nicht auf seiner Dreier-Vorschlagsliste gestanden. Auch der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, dürfte in die Entscheidungsfindung nicht unmittelbar eingebunden gewesen sein, wie man aus Kirchenkreisen hinter vorgehaltener Hand hört.

 Wagner müsse bewusst sein, dass er mit seinen "Extrempositionen" nichts Gutes auslösen werde, so der Linzer Generaldechant Franz Wild. Er befürchte, dass mit der Ernennung schwierige Zeiten auf die Diözese zukommen werden. Der Kirche müsse sich im klaren sein, dass auch sie im 21. Jahrhundert lebe - und sie auch dort leben müsse, meinte Wild.

Am Montag stellte sich der designierte Weihbischof auf einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten und vermutete eine Polarisierung in der Diözese. Er verstehe nicht, warum er als "Spalter" dargestellt werde, wenn er sich hinter den Papst stelle. Vielmehr sollten jene, die abweichen, überlegen, ob sie nicht selbst Spaltung betreiben würden, sagte er. Anwesend waren bei der Vorstellung des neuen Weihbischofs pikanterweise auch der als "Pornojäger" bekannte Martin Humer sowie Albert Engelmann, Herausgeber der konservativ-katholischen Zeitschrift Der 13.. Humer setzt sich, selbst als Katholik bezeichnend, seit Jahrzehnten mit teils unkonventionellen Methoden und Aktionen gegen Pornografie, Homosexualität und Abtreibung ein.

Im Linzer Mariendom wendet sich die ältere Frau von den Kerzen ab und geht auf den Ausgang zu. Die "Kür" Wagners möchte sie nicht kommentieren: "Was soll’s, ändern wird sich ja ohnehin nichts." Mit einem Achselzucken verlässt sie den Dom durch den Seiteneingang, die beiden Haupttore sind verschlossen.

 Quelle: http://www.zeit.de/online/2009/06/weihbischof-linz-katholische-kirche-spaltung