Befreiungstheologie sensibilisierte Lateinamerikas Kirche
Essen, 28.5.2004 (KNA). Die innerkirchlich umstrittene Theologie der
Befreiung hat die katholische Kirche in Lateinamerika nach Auffassung von
Adveniat-Geschäftsführer Dieter Spelthahn stark verändert. Durch sie sei
soziale Sensibilität zum Markenzeichen der gesamten Kirche auf dem Kontinent
geworden, sagte der 65-Jährige, der am Freitag nach 15 Jahren aus dem Amt
des Geschäftsführers des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks verabschiedet
wurde, in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in
Essen. "Wenn ein Bischof heute nicht sozial denkt, dann blamiert er
sich."
Als wichtige Aufgabe für die Kirche auf dem Subkontinent bezeichnete es
Spelthahn, Katholiken zum Engagement für das Gemeinwohl zu bewegen und
auszubilden. "Sie müssten Bürgermeister und Abgeordnete stellen, die sich
nicht korrumpieren lassen. Nötig ist so etwas wie ein Marsch durch die
Institutionen", sagte er. So sei Lula in Brasilien zum Präsidenten gewählt
worden, weil ein großer Teil der Katholiken ihn unterstützt habe. "Nur
zeigt
die gegenwärtige Politik, dass einer allein wenig ausrichten kann. Lula
braucht Tausende Mitstreiter", unterstrich der Geistliche.
"Auch Solidarität globalisieren"
Er appellierte an die Deutschen, weiter für Lateinamerika zu spenden. Die
viel beschworene Globalisierung dürfe nicht nur bei Handel und Finanzen
greifen, sondern müsse auch im Bereich von Werten und Solidarität
verwirklicht werden. Während es politisch in Lateinamerika einige
Fortschritte gegeben habe, wachse die Zahl der Armen. Zudem werde Armut
immer schlimmer. "Das kann uns nicht unberührt lassen", unterstrich
Spelthahn.
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040528t115206796.htm