Berlin (dpa) - Die Evangelische und Katholische Kirche sehen sich im jüngsten Armutsbericht der Bundesregierung in ihren schon vor Jahren erhobenen Forderungen nach größerer sozialer Gerechtigkeit in Deutschland bestätigt.
Die jetzt zu Tage tretende immer größer werdende Schere zwischen sehr armen und ganz reichen Menschen weise erneut auf die soziale Verpflichtung reicher Menschen hin. «Der Grundsatz 'Eigentum verpflichtet' hat Verfassungsrang», betonte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, am Mittwoch in Berlin.
Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sieht den Armutsbericht als eine große Chance an, «wenn das auch Auswirkungen auf die eigene politische Programmatik hat». Die Kirche sehe sich in manchen Sorgen bestätigt, besonders in Hinsicht auf kinderreiche Familien, allein Erziehende und Ausländer.
Kock sagte, er habe eine gewisse Beklemmung angesichts der Tatsache, dass wenige Tage vor der Veröffentlichung des Armutsberichtes öffentlich über «faule Arbeitslose» diskutiert worden sei. «Nach diesem Armutsbericht darf darüber nicht mehr auf der Ebene der Stammtische diskutiert werden.»