CHICAGO - Nach langem Widerstand
des konservativen Flügels hat die anglikanische Episkopalkirche in den USA
erstmals eine Frau an ihre Spitze gewählt. Wie die Kirche mitteilte, tritt
Katharine Jefferts Schori, Bischöfin der Diözese Nevada, die Nachfolge von
Primas Frank Griswold an.
Nach fünf Wahlrunden konnte sie sich auf einer Bischofsversammlung in Columbus
im Bundesstaat Ohio gegen ihre sechs männlichen Mitbewerber durchsetzen.
Griswold bezeichnete Jefferts Schoris Wahl als "Frucht" des
jahrelangen verdienstvollen Einsatzes der Frauen auf allen Stufen der
Kirchenhierarchie.
Vertreter des konservativen Flügels kritisierten hingegen die
"Missachtung" der Empfindlichkeiten innerhalb der
Glaubensgemeinschaft.
Sie fühle sich zutiefst geehrt, sagte Jefferts Schori in einer ersten kurzen
Reaktion nach ihrer Wahl. Der scheidende Primas Griswold würdigte die
Intelligenz, den Geist und das Einfühlungsvermögen seiner Nachfolgerin.
Die Episcopal Church zählt nach eigenen Angaben 2,3 Millionen Die Episcopal
Church zählt nach eigenen Angaben 2,3 Millionen Gläubige. Ihr wird nun neun
Jahre lang eine Frau vorstehen und damit die künftige Politik und Strategie
massgeblich beeinflussen.
Dies ist ein bedeutender Durchbruch: In den meisten nationalen Kirchen der
anglikanischen Weltgemeinschaft gibt es nicht einmal Bischöfinnen. Die Kirche
von England als anglikanische Mutterkirche will die Weihe von Bischöfinnen
frühestens ab 2012 zulassen.
Jefferts Schori hat einen Doktor in Ozeanografie und spricht fliessend
spanisch. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter, die als Offizierin bei der
US-Luftwaffe dient.
Die 52-Jährige gehört der liberalen Mehrheit der Episkopalkirche an: So hatte
sie sich 2003 für die Ordinierung von Gene Robinson als ersten bekennenden
Homosexuellen zum Bischof eingesetzt und hat auch nichts dagegen,
gleichgeschlechtlichen Partnerschaften den kirchlichen Segen zu erteilen.
SDA-ATS
19.6.06