Der Autor des Buches "Der kleine Bischof" las vor dem "Fuldaer Kreis für eine offene Kirche"
Visionen von der Amtskirche
Fulda (gn) Die "erheblichen Widersprüche zwischen dem, Evangelium und dem real existierenden Katholizismus" standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung des "Fuldaer Kreises für eine offene Kirche", in welcher der Autor des Buches "Der kleine Bischof" die in seinen "kirchlichen Zukunftsroman" niedergelegten Visionen mit dem von vielen katholischen Christen als deprimierend empfundenen Erscheinungsbild der Amtskirche in Beziehung setzte.
Der Befund dieser Bestandsaufnahme war ebenso negativ wie die Erkenntnis, "dass das Evangelium an der Basis besser gelebt wird als im Vatikan". Voller Temperament konnte der Schweinfurter Gemeindepfarrer, dessen hoffnungsvoller "Kleiner Bischof" es in 16 Auflagen auf 100000 verkaufte Exemplare brachte, mit Humor und manch sarkastischer ,Äußerung sein Auditorium im voll besetzten Pfarrsaal St. Josef von Anfang an mitreißen, ja begeistern. Furchtlos vor disziplinierenden Sanktionen ging Breidbach zur Sache, als er in Anspielung auf die anstehende Besetzung des bischöflichen Stuhls in Fulda und mit Bezug auf das gestellte Thema "Kleiner Bischof" - was nun? wissend und resigniert feststellte. "Mit den Bischöfen ist es nicht immer, ganz einfach." 'Dennoch forderte er immer wieder seine Zuhörer auf, Forderungen und Wünsche an den neuen Bischof öffentlich zu machen, um dann zu erklären: "Inder jetzigen Phase wird es nichts nützen, doch der ganzen Kirche wird es helfen", wobei der Autor immer wieder betonte, dass die "Wende in der Kirche von unten kommt". Denn die Kurie setze auf Härte, "und Verhärtung kommt, wenn man keine Zukunft hat".
Breidbach sprach von der Ausblutung der Gemeinden, weil das kirchenrechtliche Prinzip Zölibat weiterhin durchgesetzt werde, obwohl es genug Gemeindeleiterinnen und -leiter ohne Priesteramt gebe. Sarkastisch merkte der Pfarrer an, dass sich "auch die Bischofskonferenz inzwischen mit dem Priestermangel beschäftigt hat". Immer wieder bot der Autor Auszüge aus seinem "Bestseller", in dem er mit Liebe im Jahre 1990 einen Seelenhirten porträtiert hat, der - so die damalige Utopie - im Jahr 2000 vom einfachen Dorf- Pfarrer zum Bischof von Würzburg aufsteigt, um Bischofsleben in einer Dreieinhalb-Zimmer- Wohnung mitten unter den Menschen zuallererst als Seelsorger zu praktizieren. Dass Breidbach hier eine "weitgehend unbekannte Dienstbeschreibung für Bischöfe" aus dem 1. Timotheus-Brief zitierte, wurde mit Heiterkeit quittiert, und das nicht nur wegen der Tatsache, dass der Vorsteher nur "eines Weibes Mann sein muss".
Wenn man heute nach dem Willen des Papstes noch nicht einmal über das Priesteramt für Frauen nachdenken dürfe, so werde man in einer Generation darüber lachen. Besser sei es, so ein Zitat aus seinem Buch, "das Recht werde gebrochen als Menschen".
Ausführlich ging der Autor auf die Entstehungsgeschichte seines Buches ein, in dem er viel Autobiografisches verarbeitet habe: Leiden an der Kirche, mitleiden mit den Menschen. Dass der so auffällig aus dem Rahmen fallende "Buch-Bischof" nach Rom zitiert worden sei, wo man ihm den Rücktritt "aus gesundheitlichen Gründen" nahe gelegt habe, zeige, "dass man sich daran gewöhnen muss, dass die ganz gewöhnlichen Menschenrechte in der Kirche noch keinen Platz gefunden haben".
Sehr gut gelingt dem Autor die psychologische Ausleuchtung eines Bischofsschicksals, das - in Verbindung mit aktuellen Wahrnehmungen der Zuhörer - zum Schluss Ausgangspunkt eines sehr lebhaften Gedankenaustausches mit dem Autor und Pfarrer wurde. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Pfarrer Franz Langstein (Hessisch-Lichtenau) den Autor und das Publikum im Namen des Fulddaer Kreises herzlich begrüßt.
aus: Fuldaer Zeitung, Nr. 98, 27.4.01 S. 19