Abschied von der Oberflächlichkeit
CUXUAVEN, 13. September (epd). Die Münchner Trendforscherin Felizitas Romeiß-Stracke prognostiziert einen "Abschied von der Spaßgesellschaft". In den nächsten zehn Jahren werde das private Glück als Maßstab aller Dinge durch eine Renaissance von Tiefe, Worten und Sinn abgelöst, sagte sie in Cuxhaven. Glaube und Spiritualität spielten dabei eine zentrale Rolle. Ehrlichkeit und Authentizität erhielten in einer zunehmend virtuellen Welt einen neuen Stellenwert.
Antworten der Kirchen auf Sinnfragen werden nach Auffassung der Wissenschaftlerin künftig "auf fruchtbaren Boden" fallen. Allerdings dürften sie sich nicht anbiedern. Gefragt seien sinnliche Rituale, Engagement für die Armen und Spiritualität auf der Grundlage der christlichen Tradition. "Esoterik-Hopping bringt nichts", betonte Romeiß-Stracke. "In den christlichen 'I'raditionen des Abendlandes haben wir alles, was unsere Seele braucht."
Die Kirche dürfe nicht versuchen, sich mit Happenings zu profilieren, warnte auch die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. Sie müsse den Schatz des Evangeliums in der Sprache von heute vermitteln und könne so trösten, begleiten und zum Leben ermutigen. Gottesdienste schenkten Kraft, Zuwendung und Erneuerung und seien unersetzbar in der Erlebnisgesellschaft.
Frankfurter Rundschau, 14.9.01