100 Tage nach dem Ökumenischen Kirchentag

Der Ritus des einander Segnens war für die teilnehmenden Christen aller Konfessionen ein unvergessliches Zeichen der Einheit und der Aussage


Am Dienstag, dem 9. September 2003, 100 Tage nach dem Ende des Ökumenischen Kirchentags, veröffentlicht der Sprecher des Sachbereichs "Pastorale Grundfragen" des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans-Georg Hunstig, folgende Erklärung:

Genau 100 Tage sind heute seit dem beeindruckenden Schlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentages in Berlin am 1. Juni 2003 vor dem Reichstagsgebäude vergangen. Der Ritus des einander Segnens war für die teilnehmenden Christen aller Konfessionen ein unvergessliches Zeichen der Einheit und der Aussage, die über diesem Gottesdienst stand: "Gottes Segen für alle Welt". Diese Tage des großen Glaubensfestes, des Austausches über den Einsatz der Christen in Welt und Kirche, der Gottesdienste, des gemeinsamen Bibellesens und des Feierns haben deutlich werden lassen: Ökumene ist kein oberflächliches Gemeinschaftsgefühl, sondern ernsthafte gemeinsame Suche nach dem einen Glauben an Jesus Christus. Wir sind davon überzeugt, dass Gott es ist, der unsere Schritte auf dem Weg zur Einheit der christlichen Kirchen lenkt.

Nachdem der Alltag nun auch in der Ökumene wieder eingekehrt ist, möchten wir heute daran erinnern, dass jede Christin und jeder Christ vor Ort in der Gemeinde, im Verband, in den örtlichen und kirchlichen Umfeldern den Weg weitergehen kann, ermutigt von der Aufforderung und Zusage des Leitwortes des Ökumenischen Kirchentages "Ihr sollt ein Segen sein". Anknüpfend an unsere Erklärung "Ermutigung zur Ökumene" vom 24.11.2001 und die erfreulichen Erfahrungen der Tage in Berlin benennen wir beispielhaft als mögliche Schritte:

- Das regelmäßige wechselseitige Gebet im sonntäglichen Gottesdienst für die konkrete christliche Nachbargemeinde

- Die gemeinsame Feier des Pfingstmontags als "Tag der Einheit der Kirche" als örtliches Zeichen der wachsenden Gemeinschaft der Christen

- Der engagierte Austausch unter den Christen aus verschiedenen Bekenntnissen über das je eigene Verständnis und die existentielle Bedeutung von Eucharistie und Abendmahl
Dazu ist es notwendig, zuvor das je eigene Verständnis vom Abendmahlsgeschehen zu klären. Das Podium "Brot und Wein" in Berlin hat. z.B. deutlich gemacht, wieweit wir Christen uns schon spirituell nahe gekommen sind. Wir wollen dabei das Ziel der Gemeinschaft in der Feier der Eucharistie nicht aus den Augen verlieren, ohne uns jedoch darauf zu fixieren.

- Die örtliche und regionale Beschäftigung mit der "Charta Oecumenica", in der sich durch die Unterzeichnung beim Kirchentag die christlichen Kirchen für Deutschland verpflichtet haben, die Ökumene zu ihrer Sache zu machen
Bei der Realisierung dieser Leitlinien für das ökumenische Miteinander können konkrete Vereinbarungen vor Ort getroffen werden. So kann der Abschluss von Partnerschaftsvereinbarungen zwischen christlichen Nachbargemeinden am Ort als Schritt zu mehr Verbindlichkeit im ökumenischen Miteinander führen.

- Die Vereinbarung regelmäßiger gemeinsamer Sitzungen der Synoden und Katholiken- bzw. Diözesanräte zum Austausch und zur Planung gemeinsamer Vorhaben

- Die Bildung eines Ökumeneausschusses in der Gemeinde, in dem Christen der verschiedenen Konfessionen die Ökumene vor Ort vernetzen und mit neuem Schwung versehen

- Die Veranstaltung gemeindlicher Ökumene-Tage oder örtlicher ökumenischer Kirchentage im Jahr 2004 als Zeichen der am Ort praktizierten Ökumene

- Die gegenseitige Einladung und gemeinsame Teilnahme von Nachbargemeinden in der Ökumene am Katholikentag Ulm 2004 und am Evangelischen Kirchentag in Hannover 2005

Hingewiesen sei abschließend auf die Website www.oekumene-ideenboerse.de  als Fundgrube für die ökumenische Arbeit. Zugleich sind alle eingeladen, ihre praktischen Erfahrungen und Modelle dort anderen zur Verfügung zu stellen.


Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Bonn

 

10.09.2003

Quelle: http://katholische-kirche.de/