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6.11.2009 - Publik-Forum
Ökumenischer Kirchentag 2010: Start mit Hindernissen


Ökumenische Kirchentage markieren einen Aufbruch. Doch bei der Vorbereitung des kommenden fühlen sich viele Initiaitiven ausgegrenzt...

Von Florian Höhne

Zuerst klang es zaghaft, dann fanden sich immer mehr Stimmen in Text und Melodie: »Damit ihr Hoffnung habt«, sangen die 43 Präsidiumsmitglieder. Es handelt sich dabei um das Leitwort des 2. Ökumenischen Kirchentages (ÖKT), der vom 12. bis 16. Mai 2010 in München stattfinden wird. Ende Oktober tagte in Tutzing das ÖKT-Präsidium öffentlich. Der Gemeinsame Vorstand stellte dabei den Stand der Vorbereitungen vor. Danach geht es beim bevorstehenden ÖKT besonders um die vorsichtige Suche nach langfristig tragenden Gemeinsamkeiten in der Ökumene. Zweifel bestehen, ob der ÖKT-Vorstand dabei der inhaltlichen Auseinandersetzung und den Konzepten von kirchlichen Initiativgruppen genügend Raum einräumt.

Die Einbeziehung kritischer kirchlicher Reformgruppen wurde in Tutzing nicht öffentlich diskutiert. Die Diskussion der Frage des Präsidiumsmitglieds Hans-Georg Hunstig, ob zum Beispiel die Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche Berücksichtigung finde, verschob die Sitzungsleitung auf den nichtöffentlichen Teil des Treffens. Nach diesem äußerte Hunstig den Eindruck, dass der Gemeinsame Vorstand sich redlich bemühe, auch diese Bewegung ins Programm aufzunehmen. Reformgruppen wie Wir sind Kirche oder die Leserinitiative Publik e. V. sehen sich mit ihren Veranstaltungsvorschlägen bislang eher an den Rand gedrängt. Diesem Eindruck widerspricht der evangelische Pressesprecher des ÖKT, Rüdiger Runge, allerdings entschieden.

Mittlerweile diskutieren die Reformgruppen bereits über Ergänzungen zum offiziellen Programm. Das Netzwerk ÖKT 2010 aus kapitalismuskritischen Initiativen etwa ist im offiziellen Programm zwar mit einem Podium berücksichtigt, beobachtet die Vorbereitungen aber kritisch. Eine Reihe von Gruppen, die beim offiziellen ÖKT bislang nicht eingeplant sind, hat sich bei dem Netzwerk gemeldet, um für eine gesellschaftspolitische Akzentsetzung des ÖKT einzutreten. Deshalb berät das Netzwerk nun über ein ergänzendes Programm zum ÖKT, das diesen Gruppen Raum gibt und gleichzeitig politische Zeitansage sein kann.

Der katholische Präsident des ÖKT, Hans Joachim Meyer, betont, dass auch der Streit »Teil der ökumenischen Normalität« sei. Dabei bleibe jedoch der »tragfähige Grund unserer Arbeit« wesentlich, »der sich aus der gemeinsamen Verantwortung katholischer und evangelischer Christen in der Welt ergibt«.

Die Befürchtung, dass manche kirchliche Gruppen zu kurz kommen, ist nicht aus der Luft gegriffen. Es gibt mehrere Wege, wie Veranstaltungen ins offizielle Programm finden: Einige, wie etwa die Hauptvorträge, verantwortet das Präsidium selbst. Andere Veranstaltungen werden von Projektkommissionen geplant. Deren Mitglieder werden ad personam berufen. In den Kommissionen sitzen also keine Vertreter etwa aus dem Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu) – wohl aber Menschen, die aus Reformgruppen stammen, wie etwa ein früherer IKvu-Sprecher, der in der Kommission »Ökumenische Brennpunkte« mitarbeitet.

Drittens konnten sich Gruppen bei der ÖKT-Leitung selbst mit Vorschlägen bewerben. Ein möglicher Ausschlussfaktor ist allerdings der Umstand, dass es hier auch Veranstaltungen gibt, die teilweise von den anbietenden Gruppen selbst zu finanzieren sind. Der ÖKT betont, dass es hier bei Problemen Gesprächsmöglichkeiten gebe.

Auf diesem dritten Weg haben die Basisgruppen den Weg ins offizielle Programm gesucht, mit bislang unterschiedlichem Erfolg. Denn der Gemeinsame Vorstand akzeptierte nicht alle Vorschläge. Begründung: Es habe über 350 Bewerbungen für thematische Veranstaltungen gegeben und man wolle möglichst viele Gruppen beteiligen. Besonders hart traf es Wir sind Kirche. Drei ihrer vier Vorschläge wurden abgelehnt. Der Leserinitiative Publik wurde nur einer von sechs Vorschlägen genehmigt.

Im Falle von Wir sind Kirche und der Leserinitiative sind dabei gerade die heiklen Themen herausgefallen. So hatte Wir sind Kirche eine Veranstaltung mit den prominenten Theologen Hans Küng und Jörg Zink über das gemeinsame Abendmahl (richtig wäre: über ökumenische Spiritualität) vorgeschlagen. Ausgewählt hat der ÖKT-Vorstand jedoch einen anderen Vorschlag der Kirchenvolksbewegung: den zum Zusammenhang von Diakonie und Liturgie. Dass bei der Auswahl inhaltliche Gründe ausschlaggebend gewesen seien, bezeichnet Pressesprecher Runge als eine »schiere Spekulation«. Die Frage des gemeinsamen Abendmahls werde »mit ziemlicher Sicherheit« im Themenbereich »Glauben leben – Christsein in der Vielfalt der Kirchen« zur Sprache kommen.

Wir sind Kirche beklagt die »fehlende Transparenz« des Verfahrens. Wo ein Vorschlag abgelehnt wurde, erfolgte dies mit einem Standardbrief – ohne individuelle Begründung oder das Angebot von Mitwirkungsmöglichkeiten bei ähnlich gelagerten Veranstaltungen beim ÖKT.

Für andere Initiativen lief die Bewerbung besser. Die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) etwa wird beim ÖKT mit einem eigenen Zentrum präsent sein. Bei der Finanzierung hilft der Kirchentag. Von den zehn Veranstaltungen, die das Netzwerk IKvu vorgeschlagen hatte, sind nur zwei definitiv abgelehnt worden. Für die Initiative Kirche von unten erklärte deren Sprecher, Bernd Hans Göhrig, an einer Gesprächsveranstaltung mit Hans Küng habe der ÖKT Interesse gezeigt, die endgültige Entscheidung sei aber verschoben worden. Überhaupt ist in der Vorbereitung noch vieles im Fluss: Referentenanfragen stehen aus; über konkrete Programminhalte wird noch gesprochen werden.

Zweihundert Tage vor dem ÖKT vermisst die IKvu ökumenische Impulse. »München muss Zeichen setzen, sonst kann man sich den ÖKT sparen«, sagte Göhrig. Der ÖKT müsse ökumenisch schwungvoll die aggressiven Abgrenzungsstrategien der Kirchenleitungen überspringen.

Ein mögliches sichtbares Zeichen des Wunsches nach ökumenischer Gemeinschaft wurde vom Präsidium in Tutzing diskutiert: Das Motiv des Tisches könnte mit der sogenannten Artoklasia verknüpft werden. Die Artoklasia ist Teil des orthodoxen Vespergottesdienstes, an dessen Ende Brot gesegnet und an die Gläubigen verteilt wird. »Diese Zeremonie bedeutet eine klare und eindeutige Abgrenzung zum Ritual des Abendmahls und ermöglicht dennoch die Tischgemeinschaft aller christlichen Konfessionen«, sagt der evangelische ÖKT-Präsident Eckhard Nagel. Ob es zu dieser Lösung kommt, ist offen.

Für Gottesdienste mit wechselseitiger eucharistischer Gastfreundschaft evangelischer und katholischer Christen ist es – so die Position der offiziellen Organisatoren – in München noch zu früh. So ist es wohl ein Versehen, dass es gerade ein solcher Gottesdienst »bildlich« in den Ökumenischen Kirchentag geschafft hat. In einem Einladungs-Flyer zum Kirchentag ist das Foto eines älteren Paares abgedruckt. Entstanden ist das Bild 2003 am Rande des Berliner ÖKT in der Gethsemanekirche während ebenjener Messfeier, in der der katholische Priester Gotthold Hasenhüttl auch die Protestanten zur Kommunion einlud – mit der Folge, dass er vom Priesteramt suspendiert wurde.





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