Bischofsbestellung Freiburg

„Missachtung von Domkapitel und Kirchenvolk“

Kritik am Verfahren der Bischofsbestellung im Erzbistum Freiburg

Pressemitteilung München, Freiburg 7. Juni 2014

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche hält es für einen Skandal, dass die Bischofskongregation in Rom alle drei vom Freiburger Domkapitel vorgetragenen Kandidaten übergangen und drei andere Personen auf die „Dreier-Liste“ (Terna) gesetzt hat, aus der das Domkapitel den neuen Freiburger Erzbischof zu wählen hatte. Damit ist der Mindeststandard ortskirchlicher Beteiligung missachtet worden.

Dieses Vorgehen der seit 2010 von Kurienkardinal Marc Ouellet geleiteten Bischofskongregation steht im krassen Widerspruch zu den Absichten von Papst Franziskus, der den Ortskirchen wieder mehr Bedeutung und Verantwortung zukommen lassen möchte. Wenn Entscheidungen im Namen von Papst Franziskus getroffen werden, die ganz offensichtlich nicht in seinem Sinne sind, ist das ein Loyalitätsbruch nachgeordneter Vatikanbehörden gegenüber dem Papst.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am 4. Juni 2014 berichtete, sind alle Kandidaten des Domkapitels – auf dem Weg von Freiburg über den Nuntius nach Rom und zurück – auf der Strecke geblieben. Nach Auskunft von Insidern stand der Freiburger Kirchenrechtler und Offizial Stephan Burger, in der Presse als „Anti-Zollitsch“ bezeichnet, nicht auf der Liste der Kandidaten, die das Domkapitel im vergangenen Herbst dem Papst vorgeschlagen hatte, so die FAZ.

Wir sind Kirche sieht angesichts offensichtlich konservativer Seilschaften die große Gefahr, dass der Vertrauensvorschuss, den Franziskus genießt, sehr bald aufgebraucht und die Enttäuschungen umso größer sein werden. Dabei spielt nach verlässlichen Pressemeldungen der kürzlich emeritierte Kölner Kardinal Joachim Meisner eine zentrale Rolle. Noch im Januar 2014 hatte er dafür gesorgt, dass der ihm kirchenpolitisch nahestehende Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn in die Bischofskongregation berufen wurde.

Gerade bei Bischofsernennungen zeigt sich das feudale Herrschaftsgehabe der Kirchenleitungen, die doch nach Paulus nicht die Herren der Gemeinde sein sollen, sondern die Diener der Freude für die, die im Glauben feststehen. Die Geheimniskrämerei vor der Ernennung widerspricht dem Öffentlichkeitscharakter, der den Dienst des Bischofs auszeichnen sollte.

Es ist dringend geboten, dass die Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirchen wieder die nötige Wertschätzung erfährt, die es über viele Jahrhunderte kirchengeschichtlich und kirchenrechtlich gegeben hat. Erst kürzlich hat Wir sind Kirche dies dem neuen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, vorgetragen. Auch die Vorschläge des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und anderer Initiativen wurden bislang ignoriert.

Umso nachdrücklicher fordert Wir sind Kirche einen neuen Stil der Partizipation bei den nächsten Bischofsbestellungen, die in Erfurt, Köln, Hamburg und Limburg anstehen.

Wir sind Kirche ruft die Gläubigen in diesen Diözesen auf, sich in die Formulierung des Bischofsprofils, in die Kandidatensuche und die Wahl ihres Bischofs einzumischen und das ihnen zustehende Gehör zu verlangen. Nach Papst Leo I. gilt der Grundsatz: „Wer allen vorstehen soll, muss von allen gewählt werden.“ Die Geheimdiplomatie bei Bischofsernennungen muss beendet werden!

P r e s s e k o n t a k t e :
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Wir sind Kirche im Erzbistum Freiburg
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Wir sind Kirche zu Bischofsbestellungen:
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Zuletzt geändert am 10­.06.2014